Energieeffizienz

Nach der Katastrophe die Energiewende

Die Wende hat eingesetzt - Doch was hat das jetzt für uns in Deutschland zu bedeuten?

Kaum ein anderes Thema wurde in der Vergangenheit so heftig diskutiert und fand in jüngster Vergangenheit eine so breite Zustimmung wie die Atomkraft und der Wechsel hin zu erneuerbaren Energieen und einer höheren Energieeffizienz. Doch Energiewende bedeutet nicht nur den Um-
stieg von Atomkraft hin zu erneuerbaren Energien sondern auch die Sanierung der Bausubstanz.

 

Was wollen die Bürger?

Foto Volk

Mit der Atomkatastrophe von Fukushima (Japan) entfachte die Atomdebatte in Deutschland und der Ausstieg aus der Atomkraft wurde beschlossen. Doch was wollen die Bürger?

Laut einer Forsa Umfrage für das Magazin "Stern", hält die Mehrheit die Atomkraft zwar der-
zeit für unverzichtbar - doch fordert sie ebenso einen langfristigen Wechsel auf erneuerbare Energien.So fordern 11% der Menschen einen sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie, weitere 52% innerhalb der nächsten 5 Jahre und 20% der Menschen fordern einen Ausstieg innerhalb der nächsten 22 Jahre. Lediglich 17% der Menschen halten an der Atomkraft fest.
Ein Umdenken zur Atomenergie hat demnach - nicht zuletzt seit dem Supergau in Fukushima - stattgefunden und die Menschen fordern den Ausbau erneuerbarer Energien sowie eine verbesserte Energieeffizienz.

 
 

Was will die Politik?

Foto Flaggen Regierungen

Hatte die Unions/FDP-Koalition noch im Herbst des vergangenen Jahres den Ausstiegsbeschluss aus der Atomenergie aus dem Jahre 2000 gekippt, wurde nun aktuell die Abschaltung des letzten deutschen Atomkraftwerkes zum 31.12.2022 beschlossen. Was einst wie ein Wahlkampfmanöver wirkte, erhält nun nicht nur in der Bevölkerung breite Zustimmung.

Doch auch wenn die Politik sich einig über den Ausstieg aus der Atomenergie ist, scheiden sich die Geister über die Details. Die Grünen beispielsweise lehnen die Koalitionsverein-
barung ab, da der Ausstieg zu spät kommt. Parteichef Cem Özdemir bezeichnete die "Stand-by-Regelung" als nicht akzeptabel und "physikalischen Unfug" und die Linken fordern, dass der vereinbarte Atomausstieg in die Verfassung aufgenommen wird, um einen möglichen Wiederruf zu erschweren.

 
 

Was will die Wirtschaft?

Foto Wirtschaft

Bereits vor der Atomkatastrophe in Japan 2011, stieg das Interesse für die Nutzung erneuerbarer Energien weltweit an. Deutschland liefert dabei viele innovative Technologien mit einem sehr hohen Qualitätsstandard, der weltweit sehr geschätzt wird und einen sehr guten Ruf genießt. Heute ist Deutschland Weltmarktführer und exportiert in zahlreiche Länder.

Auch die Hannover Messe - seit 60 Jahren führender Marktplatz für wegweisende Techno- logien, stand ganz im Zeichen erneuerbarer Energieen und Energieeffizienz. Um das Export-
potential deutscher Unternehmer weiter auszureißen und die Nutzung der erneuerbaren Energien weltweit zu erhöhen, wurde die "Exportinitiative Erneuerbarer Energien" sowie die "Exportinitiative Energieeffizienz - made in Germany" vom Deutschen Bundestag ins Leben gerufen.

 
 

Was wollen die Stromversorger?

Foto Stromversorger

Der Bundesverband der Deutschen Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hat sich für einen "vollständigen Ausstieg aus der Kernenergienutzung" ausgesprochen.

Dem Wiedersprechen jedoch die 4 großen Stromanbieter (E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall) in Deutschland, die ca. 70% des Marktes beherrschen. Aktuell prüfe E.ON beispielsweise eine Klage in Milliardenhöhe an die Deutsche Regierung und deren Ausstiegsbeschluss aus der Atomenergie. Wie der Versorger jüngst mitteilte, erkenne er zwar den politischen Mehrheits-
willen zum Ausstieg an, gleichzeitig erwarte es aber einen "Ausgleich für den mit diesen Ent-
scheidungen verbundenen Vermögensschaden in Milliardenhöhe". (Quelle: Bild.de) Die Zukunft wird zeigen wie die Juristen - und eventuell sogar das Bundesverfassungsgericht - darüber entscheiden.

 
 

Gehen bald die Lampen aus?

Gluehbirne Foto

Die Befürchtungen über drohende Energieengpässe bei einem Ausstieg aus der Atomenergie wurden in der jüngsten Vergangenheit immer wieder laut. Doch - Deutschland produziert jährlich einen Exportüberschuß von bis zu 22 Milliarden Kilowattstunden und zählt zu den größten Stromexporteuren Europas. Sogar als 2007 zeitweise bis zu 6 Kraftwerke still standen, konnte ein Exportüberschuß von 20 Milliarden Kilowattstunden erzielt werden.

Bundesumweltminister Norbert Rüttgen, hier stellvertretend genannt : "Wir werden beweisen, dass der Atomausstieg wirtschaftlich sogar zu unserem Vorteil ist". Der Umstieg bedeutet eine höhrere Effizienz und die Schaffung neuer Arbeitsplätze. Röttgen weiter: "Die Anstrengung wird sich lohnen. Nach der Investition folgt die Rendite. Wir werden ein wettbewerbsfähiges Industrieland bleiben."

 
 

Wird der Strom jetzt teurer?

Foto Energiekosten

Ein Wechel von Atomenergie hin zu erneuerbaren Energiequellen wird eine Veränderung der Energiekosten herbeiführen. Eine Umfrage für das Magazin "Stern" hat gezeigt, dass ca. 60% der Befragten Bürger für atomfreien Strom bis zu 10,- € pro Monat mehr ausgeben würden. 20% würden sogar bis zu 30,- € mehr bezahlen und für 6% der Befragten wäre eine Preissteigerung von bis zu 50,- € für atomfreien Strom akzeptabel. Lediglich 1% der Befragten würde sogar eine Preissteigerung von 100,- € in Kauf nehmen.

Nach einer Studie im Auftrag des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) könnten die Haushalte mit Mehrkosten in Höhe von 137,- € pro Jahr (11,42 € je Monat) für die Energie-
wende belastet werden. Die Deutsche Energie-Agentur (Dena) rechnet sogar mit 4 bis 5 Cent Mehrkosten je Kilowattstunde (13,50 € je Monat).

 
 

Einsparmöglichkeiten oder Sanierung?

Foto Sanieren

Jedes Jahr werden ca. 140 Terawattstunden (1 Terawattstunde = 1 Milliarde Kilowatt) von Atomkraftwerken ins deutsche Netz eingespeist. Dennoch ist trotz der seit Jahren steigenden Energiekosten, das Einsparpotential an vielen Stellen nicht ausgeschöpft.

Im Vergleich zu einem Neubau benötigt ein älteres Gebäude im Durchschnitt dreimal so viel Energie. Weiterhin werden über 80% der Energiekosten für die Heizung und das Warmwasser verwendet.

Druch eine fachmännische und energieeffiziente Sanierung können bis zu 80% der Energiekosten eingespart werden. (Quelle: IG Bau - Der Grundstein, Ausgabe: 05/11)

 
 
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